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Jürgen Becker

Volksbegehren | Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung

Blattläuse haben es leicht. Wenn ihnen nach Fortpflanzung zumute ist, gebären die Lausmädels ohne Zutun eines Lausbuben bis zu zehn Töchter am Tag. So einfach kann das Leben sein. Doch etwas muss ja dran sein am Sex.

Der Austausch von Körperflüssigkeiten hat sich zwecks Fortpflanzung bei 99% der Tierarten durchgesetzt. Wir sind Tiere und werden es immer bleiben. Daran erinnert uns der Sex, weshalb er so beunruhigend, aufwühlend, elektrisierend, schockierend, bedrohlich und – so angenehm ist. So wundern wir uns über das Tierhafte unserer Körper und empfinden sie gelegentlich als peinlich, abstoßend und vulgär.

»Mitternachtsspitzen« sind im gleichnamigen Film Dessous und so wagt der Moderator derselben einen kabarettistischen Beischlaf mit dem Eros, dem wohl mächtigsten aller Götter. Das Publikum darf sich beim Liebesspiel mit Worten aufs Angenehmste gekitzelt fühlen und beim Anblick von hundert erotischen Meisterwerken in Deckung bleiben – und spürt dabei geflissentlich, dass schöne Schenkel nicht nur im Bett betören. Gelegentlich darf man sich auch darauf klopfen.

Foto: Simin Kianmehr