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Eine Zauberflöte

frei adaptiert von Peter Brook, Franck Krawczyk und Marie-Hélène Estienne nach der Partitur von Wolfgang Amadeus Mozart und dem Libretto von Emanuel Schikaneder

Zum Abschied als Direktor des Théâtre des Bouffes du Nord in Paris hat Peter Brook seine individuelle Sicht auf Mozarts bekannteste Oper inszeniert, die folgerichtig bei ihm »Eine Zauberflöte« heißt.

Brook wirft sämtliches Dekor, sämtliche symbolistischen Interpretationen über Bord und reduziert die Zauberflöte auf ihre Essenz, die auch in der musikalischen Begleitung deutlich wird: Klavierbegleitung statt großes Orchester. Dabei bekommen die Sängerinnen und Sänger genügend Raum, damit die bewusst gesetzten Gesten und der zurückgenommene Gesang die von Brook beabsichtigte magisch-berührende Wirkung entfalten kann. Die Leere des Bühnenraumes – einige Bambusstäbe, die sich in Wald, Waffe, Versteck, Tempeltor oder Spalier verwandeln – eine sensible Lichtregie und die Fantasie des Publikums genügen, um ein berührendes Gesamtkunstwerk entstehen zu lassen.

Die Inszenierung des »Theater-Avantgardisten« Peter Brook erntete hymnische Kritiken, und ein verzaubertes Publikum bejubelte die Aufführung in Paris ebenso wie auf den Tourneen durch Europa, die USA, Kanada, Lateinamerika. Insgesamt 260 Mal war die Oper in 26 Ländern zu erleben – jedoch bisher nur einmal in Deutschland beim Bremer Musikfest 2011. Im April 2011 wurde die Inszenierung mit dem »Molière«, Frankreichs bedeutendstem Theaterpreis, in der Kategorie beste Musiktheater-Produktion ausgezeichnet.

Regie: Peter Brook / Licht: Philippe Vialatte / Klavier: Rémi Atasay / Dialoge auf Französisch (mit deutscher Übertitelung)/ Gesang auf Deutsch / Mit: Leïla Benhamza, Anne-Emmanuelle Davy, Antonio Figueroa, Virgile Frannais, Betsabée Haas, Alex Mansoori, Vincent Pavesi / Schauspieler: Abdou Ouologuem.

Koproduktion: C.IC.T. / Théâtre des Bouffes du Nord, Festival d’Automne à Paris, Attiki Cultural Society, Athènes; Musikfest Bremen; Théâtre de Caen; MC: 2 Grenoble; Barbican, Londres; Les Théâtres de la Ville de Luxembourg; Piccolo Teatro di Milano – Teatro d’Europa; Lincoln Center Festival, New York; Executive Production: C.IC.T. / Théâtre des Bouffes du Nord.

Peter Brook

1925 in London geboren, gehört Peter Brook zu den einflussreichsten Vertretern des zeitgenössischen europäischen Theaters. Berühmt sind seine Vorträge über modernes Theater, als Buch herausgegeben 1968 unter dem Titel »Der leere Raum«. Er hat an der Royal Shakespeare Company, Covent Garden und der Metropolitan Opera gearbeitet, bevor er 1971 nach Paris ging, um dort das Centre international de Recherche Théatrale zu gründen, das mit der Gründung seines eigenen Theaters in den Bouffes du Nord in Paris zum Centre international de Création Théatrale (CICT) wird.

Peter Brook geht es in seinem Werk darum, die Stücke auf das Wesentliche zu reduzieren und den emotionalen Kern sichtbar zu machen. Das Publikum soll – unabhängig von allen kulturellen, sozialen oder geographischen Prägungen – berührt werden.

In Kooperation mit »Soli deo Gloria – Braunschweig Festival«.

Fotos: Renato Velasco, Attilio Marasco

»Eine Zauberflöte« ARTE Journal, 17. November 2010